Werden Retouren bald kostenpflichtig?

Wissenschaftler an der Universität Bamberg fordern eine gesetzlich geregelte Gebühr für Retouren, um die Umweltbelastung zu senken. Laut einer Studie könnten bereits 3 Euro Rücksendungen um mehr als 15 % verringern.

Jedes sechste Paket geht zurück

Eine Studie der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Uni Bamberg hat ergeben, dass im Jahr 2018 geschätzt 280 Millionen Pakte und fast 500 Millionen Artikel zurückgeschickt wurden. Dies bedeutet, dass etwa jedes 6. Paket zurückgeschickt wurde. Besonders im Modebereich liegt die Quote hoch: Schuhe und Kleidung werden besonders häufig retourniert, fast jede zweite Sendung wird rückgesendet. Eher gering liegt die Quote bei Büchern und elektronischen Geräten, als Grund dafür wird die bessere Vergleichbarkeit und eine einfachere Einschätzung des Produkts sowie eine ausführlichere Vorinformation genannt.

Retouren kosten Geld und belasten die Umwelt

Vielen Verbrauchern ist dabei nicht klar, dass jeder zurückgeschickte Artikel im Durchschnitt 11 Euro kosten verursacht. Online-Händler kalkulieren diese Mehrkosten natürlich in ihre Preise mit ein, um die insgesamt 5 Milliarden Euro an Rücksendekosten pro Jahr zu decken. Ebenso wird die Umwelt belastet: Nämlich mit zusätzlichen 238.000 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr 2018. Verursacht wird dieser unter anderem durch Transportkosten, zusätzliche Verpackungsmaterialien.

Anders als in den Medien propagiert, ergibt sich in der Studie ein abweichendes Bild hinsichtlich der Retourenvernichtung: 92 % der Rücksendungen werden weiterverkauft.

Der Vorschlag der Uni Bamberg

Online-Händler versuchen gerade im Fashionbereich mit seiner hohen Retourenquote die Rücksendungen durch Maßnahmen wie Online-Größenberatungen und verbindliche Größenangaben zu reduzieren, bislang jedoch mit geringem Erfolg. Deshalb empfiehlt die Universität Bamberg eine weitere Maßnahme: Auf jede Retoure soll eine gesetzlich verankerte Rücksendegebühr von knapp 3 Euro erhoben werden. Dies hätte zum einen eine verringerte Rücksendequote um geschätzte 16 % zur Folge, zum anderen käme dies auch den Kunden zu Gute: Neue Produktpreise, in die die Retourenkosten nicht oder in geringerem Maße mit einkalkuliert wären.

Quelle: Universität Bamberg