Online-Food: Entwicklung eines chancenreichen Marktes

Eine Zeitlang hätte man meinen können, dass sich im Online-Food-Sektor nicht viel tut. Natürlich, die Anbieter von sogenannten Kochboxen haben sich ihre kleine Nische erkämpft und auch die bestehenden Lebensmittelhändler im Internet haben einen kleinen Marktanteil ergattert – bisher jedoch nur mickrige 1 Prozent des gesamten Internethandelsvolumens. Dennoch: Mit 170 Mrd. Euro Umsatzvolumen für Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs ist diese Sparte auch für den Onlinehandel nach wie vor sehr attraktiv – es hapert nur noch an der Umsetzung.

Mit welchen Problemen Online-Supermärkte zu kämpfen haben

Produkte, die nicht leicht verderblich sind, lassen sich problemlos verkaufen. Nudeln, Backpulver und Drogerieartikel sind gleich verpackt und verschickt und sogar sperrige Getränkekisten und Hundefutter lassen sich mit der Post versenden. Vor einer logistischen Meisterleistung stehen die Händler allerdings, wenn es um frische Lebensmittel und leicht Verderbliches wie Milchprodukte, Obst, Gemüse oder Fleisch geht. Die Einhaltung der Kühlkette ist hier zwingend erforderlich, um die Unbedenklichkeit der Ware zu garantieren – und genau daran hat es bisher noch gehapert.

Schon vielfach wurden die Services getestet und stets kam es bei den Testbestellungen zu Schwierigkeiten mit der Frische. Bestimmte Warengruppen müssen stets einen bestimmten Temperaturbereich einhalten. Frischfleisch muss bei maximal 4°C ausgeliefert werden, Milch bei 8°C, Tiefkühlware bei -18°C. Während sich dies durch spezielle Kühlsysteme für den Zeitraum der Auslieferung weitgehend problemlos sicherstellen lässt, wird es schon schwieriger, wenn der Kunde sein Paket nicht gleich annehmen kann und es dann übers Wochenende in der Postfiliale aufbewahrt wird.

Weitere Herausforderungen für den Food-Online-Handel:

  • Verpackungskosten: Spezielle Thermokartonagen kosten ein Vielfaches normaler Kartons. Noch extremer wird es, wenn Isolierboxen aus Styropor oder hochwertige Kartonagen mit integrierten Kühlakkus eingesetzt werden.
  • Versandfähigkeit: Nicht jede Ware ist mit gängigen Versandanbietern wie DHL oder Hermes zu adäquaten Kosten verschickbar. Sprengt das Produkt die Gewichtsgrenzen oder die zulässigen Abmessungen, wird es schwierig.
  • Auslieferung: Die Zustellung in einem bestimmten Zeitfenster ist eine Herausforderung für jeden Versanddienstleister, besonders wenn auch noch mehrere Zustellversuche an einem einzigen Tag notwendig werden.
  • Organisation der Logistik: Der Onlinehandel und der stationäre Handel arbeiten mit völlig unterschiedlichen Lagerkonzepten. Diese miteinander in Einklang zu bringen, ist ein schwieriges Unterfangen.

Online-Food trotzdem auf dem Vormarsch

Allen Widrigkeiten zum Trotz wird der Online-Supermarkt mehr und mehr in Mode kommen – zumal die wenigsten Verbraucher wirklich Lust darauf haben, Getränkekisten und Katzenfutter selbst vom Discounter nach Hause zu schleppen. Die Wachstumschancen sind vorhanden und immer mehr Onlinehändler rüsten auf, um dem Anspruch der Kunden gerecht zu werden. Der Shopping-Gigant Amazon macht es vor: Schon seit einiger Zeit können die Kunden Lebensmittel und Artikel des täglichen Verbrauchs online bestellen. Noch weiter geht der Dienst Amazon Fresh: Seit kurzem beliefert Amazon in ausgewählten Großstädten, bisher in Berlin und Potsdam, Verbraucher auch mit frischen Artikeln. Die Auslieferung erfolgt in einem Zwei-Stunden-Zeitfenster per DHL. Eine Ausweitung auf weitere Städte könnte schon bald erfolgen.

Sollte sich der Dienst durchsetzen, wird Amazon durch seine enorme Marktmacht die ganze Branche wachrütteln. Denn was bisher bei den meisten Online-Food-Händlern nur eher schleppend vorangetrieben wurde, könnte zukünftig zu einem wichtigen Bestandteil ihres Überlebens werden. Jede Bestellung, die Amazon ausliefert, fehlt den stationären Supermärkten – und die werden schon bald versuchen müssen, sich ihr Stück vom (Online-)Kuchen zu sichern.

Quelle: shopbetreiber-blog.de